Altersbestimmung des Schalenwildes nach den Zähnen

 Thema diesen Sachberichtes soll sein, der Zahnbau, die Abnutzung die und Altersbestimmung, welche für die Gewissheit unserer Vermutung unerlässlich ist. 

Jede Wildart hat eine Zahnformel, in der jeweils die zu einer bestimmten Zahnkategorie gehörigen Zähne angegeben sind.

Wir unterscheiden hier Schneide-, Eck-, Vormahl- und Mahlzähne. Sie werden wissenschaftlich Incisivi, Caninus, Praemolaren und Molaren genannt und mit den Anfangsbuchstaben dieser Bezeichnungen abgekürzt. Um Missverständnisse zu vermeiden werden die Milchzähne mit px oder früher auch Pdx  und die Dauerzähne mit Px bezeichnet. Für x werden hier die Zahlen 1-3 eingefügt. Die Lücke Zwischen C und P nennt man Diastema.

     Oberkiefer
     I   C  P  M
 Zahnformel z. B. Rotwild 34 Zähne  0 1 3 3 0 1  3 3 
Sie kennzeichnen eine Gebisshälfte  3 1 33  3 1  3 3
     Unterkiefer

Die Zählung erfolgt vom mittelsten Schneidezahn (I1) an nach hinten: I1, I2, I3, C, P1, P2, P3, M1, M2, M3. Jeder Zahn besteht aus der im Zahnfach (Alveole) des Kiefers sitzenden Wurzel und der frei in die Mundhöhle hineinragenden Krone, die von dem härtesten Material, das der Säugetierkörper überhaupt hervorbringen kann, dem Schmelz, von allen Seiten umhüllt ist. Im Inneren des Zahnes befindet sich die Zahnhöhle (Pulpa), die das weiche Gewebe der Nerven und Blutgefäße enthält. Im jugendlichen Alter ist die Zahnhöhle groß. Sie wird im Laufe des Lebens mit Ersatzdentin ausgefüllt und dadurch kleiner, damit der Zahnnerv nicht freigelegt wird, wenn die oberen Teile des Zahns abgeschliffen sind. Während die Schneide und Eckzähne eine Wurzel besitzen, sind die Backenzähne in ihrer Mehrzahl zweiwurzelig. Der hintere Milch-Praemolar (p3), ebenso der letzte Dauerzahn (M3) sogar dreiwurzelig. Die bei den Praemolaren vorkommenden Schmelzschlingen sind Zungenwerts gelegene seitliche Einbuchtungen der Schmelzschicht in den Zahn. Sie sind im oberen Kronenteil am stärksten ausgebildet und verflachen allmählich in der Richtung zur Wurzel. Die Schmelzschlingen entsprechen den Kunden der Molaren. Auf der Oberfläche der Zahnkrone folgt dem Verlauf der Schmelzschlingen das Dentinband. Dieses ist ein durch Äsungssäfte gefärbter Streifen. Es entsteht durch Abschleifen der obersten Schmelzschicht und verbreitert sich mit zunehmender Abnutzung. Bei den Molaren sind folgende Begriffe einzuprägen: Reibefläche, dies ist der Teil der Zahnfläche, der beim Kauen auf dem gegenüberliegenden Zahn reibt. Die Einstülpungen der Schmelzschicht in das Zahnbein der Reibefläche sind tiefe Taschen, die so genannten Kunden. Sie verengen sich Wurzelwerts. Dadurch verkleinern ihre Querschnitte mit zunehmender Abnutzung des Mahlzahns. Der zwischen Kunde und Zunge gelegene Teil der Reibefläche ist der Kaurand. Das durch Äsungssäfte gefärbte Dentin auf dem Kaurand, welches nach Abnutzung der Schmelzschicht zum Vorschein kommt und mit zunehmendem Abschliff des Zahns breiter wird sowie seine Form verändert, ist das Kauranddentin. Mit dem Abnutzen der Backenzähne und der Abnahme der Höhe nimmt der Anteil von Schmelz auf der Reibefläche laufend ab und der Anteil von Dentin laufend zu. Dadurch ergeben sich unterschiedliche Bilder für die verschiedenen Altersstufen, welche für eine Alterschätzung verwendet werden können. Zum Schätzen des Alters verwendet man einen abgekochten und gesäuberten Unterkiefer. Mit Hilfe von Gebisstafeln und einer Bestimmungstabelle für die Zahnabnutzung kann ich das Alter ziemlich genau bestimmen. Bis zu einem Alter von 31 Monaten (Rotw.) kann man den Durchbruch und den Wechsel der Backenzähne zur Altersbestimmung verwenden. P1 ist für die Altersbestimmung unwesentlich. Man beginnt zweckmäßigerweise mit der Prüfung des hinteren Zahnes (M3) und stellt fest, welcher Spalte der Bestimmungstabelle seine Form entspricht. Mit M2, M1 und P2 verfährt man genau so.

Für die Verwendung des Abnutzungsgrades der Zähne zur Altersbestimmung ist es wichtig einige Punkte zu wissen. Zum einen sind die individuellen Verschiedenheiten im Entwicklungstempo unseres Schalenwildes zu groß, um eine gleiche Abnutzungsstufe im selben Alter zu erhalten. Des Weiteren ist die individuelle Verschiedenheit des Härtegrades zu berücksichtigen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Zähne mit hellem Dentin schnell, mit dunklem Dentin langsam abgenutzt werden. Ein letzter wichtiger Punkt ist die Härte der Nahrung sowie die Beimischung, vornehmlich von Sand, die eine verschiedenartige Abnutzung zur Folge hat.

Eine weitere Altersbestimmung nach den Zähnen ist die Jahresring- oder Eidmann’sche Methode. Sie ist beim Rot-, Dam- und Sikawild durchführbar. Eidmann stellte fest, dass durch die fortschreitende Abnutzung der Schneide Zähne beim innersten Paar mit drei Jahren der Schmelz soweit abgenutzt ist, dass das darunter liegende weichere, sich rasch dunkel färbende Dentin erscheint. Von diesem Augenblick an wird unter dem von Anfang an vorhandenen Dentin eine etwas anders strukturierte Substanz, das Ersatzdentin, gebildet. Das Sekundärdentin zeigt nun eine deutliche Schichtung. Es werden breite, helle, von schmalen, dunklen abgegrenzte Zonen gebildet, ähnlich den Jahresringen an Bäumen. Die hellen Zonen sind das im Sommer, die dunklen das im Winter gebildete Dentin. Die Entstehungen dieser Zonen führt Eidmann auf Verschiedene Sommer- und Winteräsung, besonders in ihrer Härte, zurück. Da die Sekundärdentinbildung erst im dritten Jahr beginnt, ergibt sich das Alter aus der Zahl der Jahresringe + 3. Es dauert sieben bis neun Jahre, bis der erste im Ersatzdentin gebildete Ring nicht mehr zu erkennen ist. Das heißt, dass bis zu einem Lebensalter von zehn bis höchstens zwölf Jahren das Alter ziemlich genau ermittelt werden kann.

Die letzte und aus meiner Sicht präziseste Altersbestimmung anhand der Zähne ist die Methode der Zementzonenanalyse. Hierzu muss man an die ringähnlichen Zonen, die durch die jahreszeitlichen unterschiedlichen Zuwachses des „Zementmantels“ entstehen und sich in den Rundungen zwischen den Wurzelhälsen befindet, gelangen. Da der M1 derjenige Zahn ist, der sich am längsten im Kiefer befindet, eignet sich ausschließlich dieser für eine Zementzonenanalyse. Der Kiefer muss vorab in einem Wasserbad einige Zeit vorweichen, bevor man ihn dann vor der Ziehung mit einer geeigneten Säge in der Mitte teilt. Um später unter dem Mikroskop keine Verfälschung durch die Sägespuren zu bekommen, wird der Querschnitt des Zahnes an einem Messerabziehstein glatt poliert. Unter dem Lichtmikroskop mit achtfacher Vergrößerung kann man die einzelnen Zonen gut erkennen. Jede Zone ist wie in der oben genannten Methode ein Lebensjahr. Die erste Zone bildet sich im ersten Lebensjahr und ist nicht von Anfang an vorhanden. Daher muss man bei der Altersanalyse die Anzahl der Jahresringe +1 nehmen um das genaue Alter zu bestimmen. Vorteil bei dieser Methode ist, der Zahn kann anschließend wieder mit etwas Kleber eingesetzt und der Kiefer der Trophäe beigefügt werden.