Die Nutria und dessen Bejagung

Die Nutria, auch Sumfbiber genannt, kommt ursprünglich aus Südamerika. Genau aus den gemäßigten Zonen. Von den Platastaaten (Argentinien, Uruguay, Paraguay) , in Buenos Ayres, Patagonien bis Mittelchile kommt die Nutria in sehr großer Zahl vor (vom 24° bis 43° südl. Br.).

In Deutschland macht die Nutria neben Waschbär, Marderhund (Enok) und Mink in den letzten Jahren immer mehr Presse. Diese Arten werden oft unter dem Begriff invasive Wildarten oder Neozoen aufgeführt. Zu den Neozoen oder Neophyten (Pflanzen) gehören alle Arten, die erst nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus (1492) nach Europa gebracht und angesiedelt wurden. Eine klassische Pflanze ist beispielsweise ist die Kartoffel.

 

Als wichtiger Pelzliefertant wurde die Nutria zwischen 1930 und 1940 in zahlreichen Pelzfarmen gehalten. Der Zweite Weltkrieg und die Veränderung der Mode ließen die Zahlen der Farmen zurückgehen. Freigelassene und entwichen Nutria begründeten die ersten in Freiheit lebenden Besätze, die aber immer wieder verschwanden. Nur durch den anhaltenden Nachschub an Tieren konnten sich die Nutria in Deutschland etablieren. Die ersten schriftlichen Nachweise von Freilandvorkommen von Nutrias in Niedersachsen stammen aus dem Jahr 1949. In einem Stauteich zwischen Eimke und Linden wurden Nutrias ausgesetzt und hielten sich dort bis 1951.

Klimaerwärmung und milde Winter führten in den letzten Jahren zu einer nahezu explosionsartigen Vermehrung und Ausbreitung in Deutschland. Angepasst ans Wasser besiedeln Sie viele Fluss und Gewässerbereiche und verursachen mittlerweile enorme Schäden in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Deich- und Hochwasserschutz.

Lebensweise

Nutrias sind dämmerungs- und nachtaktiv und verbringen den Tag in Schilfnestern oder in Bauen. Die Baue werden in die Ufer gegraben und haben meist nur eine Röhre, die in der Regel ein bis drei Meter lang ist. Der Eingang befindet sich in der Nähe des Wasserspiegels, jedoch fast immer über Wasser. Es werden auch vorhandene Bisambaue erweitert. Gelegentlich werden größere Bausysteme gegraben. Durch die Baue können beträchtliche Schäden an Uferböschungen und Dämmen entstehen. Manchmal brechen auch landwirtschaftliche Maschinen in die dicht unter der Erdoberfläche liegenden Wohnhöhlen ein. Schilfnester findet man bis zu 80 m vom Gewässer entfernt. Es sind kreisrunde Haufen, mit einer Fläche von etwa 4 m². Großflächige Sumpf- und Marschgebiete mit Rohr- und Binsengürteln, reicher Unterwasserflora und klarem Wasser stellen den optimalen Lebensraum dar.

Aussehen und Körperbau

Die Nutria wird oft mit einem kleinen Biber verwechselt. Unterschieden werden können die Beiden am Schwanz. Im Gegensatz zum Bieber, der bekanntlich einen platten Schwanz, die sog. Kelle besitzt. Hat die Nutria einen komplett runden, leicht beschuppten Schwanz.
Auffallend, durch eine gespaltene Oberlippe immer sichtbar, sind die langen und scharfen orangen Schneidezähne, mit denen Sie sich schmerzhaft wehren und verteidigen können. Gerade bei der Wasserarbeit im Schilf kann es zu schmerzhaften Begegnungen für den Hund kommen.

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Adulte Tiere können eine Körpergröße von 40 – 60 cm und ein Gewicht von 8 – 10 kg erreichen. Hinzu kommt noch eine Schwanzlänge von 30 – 45 cm. In Ihrer Fellfärbung kommt es zu vielen Variationen. Von rötlichbraun, grau, braun, gelblich bis fast weiße ist alles möglich.

Ernährung

Als reiner Vegetarier ernähren sich die Nutria überwiegend von Sumpf- und Wasserpflanzen. Aber auch Kräutern, Feld- und Gartenfrüchte werden gerne geäst. In der vegetationsarmen Zeit nimmt Sie alternativ Rinde und Wurzel auf. Mehrjährige Wildäcker in Gewässernähe können auch zu einer beliebten Anlaufstelle werden.
Obwohl die Nutria ein reiner Pflanzenfresser ist, gilt Sie als Überträger der Zoonose Trichinose und muss vor dem Verzehr des schmackhaften Wildbrets untersucht werden. Durch das versehentliche mit äsen von Zwergschlamschnecken, die an der Unterseite der Sumpfpflanzen sitzen, gelangen die Trichine in das Muskelfleisch und können so auf den Menschen übertragen werden.

Fortpflanzung

Nutrias können sich das ganze Jahr über fortpflanzen und haben im Durchschnitt 5 Junge pro Wurf, es sind jedoch auch Würfe mit bis zu 12 Jungen möglich. Die Tragezeit ist mit 128 - 132 Tagen für ein Tier dieser Größe relativ lang. Allerdings sind die Jungen bereits bei der Geburt vollständig behaart, können die Augen öffnen und sogar schwimmen. Sie nehmen schon nach wenigen Tagen feste Nahrung zu sich. Unter günstigen Bedingungen sind Jungtiere bereits nach einer Woche in der Lage, ohne ihre Mutter zu überleben. Normalerweise werden sie jedoch noch bis zu 60 Tage von der Mutter gesäugt.

Schäden und Bejagung

Gerade im Hochwasserschutz kommt es in den letzten Jahren zu immer kostenintensiveren Schäden durch Unterhöhlungen von Böschungen und Uferbereichen, sodass in vielen Landkreisen mittlerweile Schwanzprämien für gefangene Nutria gezahlt werden. Zusätzlich wurde am 25.4.2018 in Niedersachsen die Schonzeit für Nutria aufgehoben. Aber Achtung der Muttertierschutz § 22 BjagdG Abs. 4 bleibt unberührt. Um die Bejagung zu erleichtern wurde die Nutria 2001 im niedersächsischen Jagdgesetz zusammen mit den anderen Neozoen in der Liste der jagdbaren Tiere aufgenommen.

Schon im ersten Jagdjahr wurden in Niedersachsen 524 Nutria erlegt. Fünfzehn Jahre später waren es schon 21.866 Nutria. Hier wird deutlich wie schnell Sie sich in ihrer neuen Heimat zurecht finden und ausbreiten.

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Das Ihr Vorkommen autochthone Arten verdrängt konnte bis lang noch nicht nach gewiesen werden. Unruhe in Brutgebiete vieler seltener Wasservögel bringt Sie durch Ihre Anwesenheit alle mal.

Intensive Bejagung soll die erfolgreichen Expansionen entschleunigen. Durch Ansitz oder tierschutzgerechte Fangjagd wird die Jagd auf Nutria ausgeübt. Das abpassen auf den Wechseln zu Ihren Äsungsplätzen oder das Ankirren mit Obst, Gemüse oder Mais ist eine Möglichkeit dem Sumpfbiber in der Einzeljagd nachzustellen. Effektiver ist der Einsatz von Lebendfallen. Den oft teilen sich Nutria Ihren Lebensraum mit geschützten Arten, wie dem Fischotter. So kann ein versehentlicher Beifang wieder ohne weiteres in die Freiheit entlassen werden. Der Vorteil der Fangjagd ist die Möglichkeit, mehrere Plätze zur gleichen Zeit und dies rund um die Uhr zu bejagen. Ideale Fangplätze sind die Bereiche Ihrer Baue oder auf Zwangswechseln auf den Wegen zu Ihren Äsungsplätzen. Beködert werden die Fallen mit Obst und Gemüse. Ich favorisiere Äpfel und Möhren.

Ich möchte nochmal darauf hinweisen, dass in Niedersachsen jeder der die Fangjagd ausüben will, einen Sachkundenachweis nach § 24 NJagdG mit sich führen und zum töten einen Jagdschein besitzen muss.

Auch bei der Nutriabejagung sage ich wieder: „ Es geht nur gemeinsam“. Wenn Sie selber keine Zeit oder Passion haben auf Nutria zu waidwerken, stellen Sie doch beispielsweise einem passionierten Jungjäger einen örtlich und zeitlich gebundenen Begehungsschein für die Jagd auf Nutria aus. Ich bin sicher so haben Sie alle etwas davon