Rehwild sicher ansprechen

Das Jahr erwacht, die Vegetation beginnt sich zu entfalten und der Lebensraum wird wieder Größer. Die Wintersprünge beginnen sich aufzulösen und das Rehwild zieht in seine Sommereinstände zurück. Der 1. Mai ist einer der wichtigen Termine im Jahreskalender eines Jägers, denn die Jagd auf den Rehbock und das Schmalreh beginnt.

Mit diesem Termin kommt auch das Pflichtbewusstsein des waidgerechten Jägers, das Ansprechen, zurück. Während seiner Jagdausbildung bekommt man viele Indizien an die Hand um einen reifen Bock sicher anzusprechen zu können. Ein alter Wildmeister gab mir schon früh den Spruch: „Alt fegt zuerst und färbt zuletzt“ mit auf den Weg. Dieser Spruch wird dem aufmerksamen Jäger die Suche nach einem reifen Bock erleichtern. Denn schon Ende März, Anfang April beginnen die alten Böcke mit dem Fegen. Dadie Vegetation zu dieser Zeit noch nicht soweit fortgeschritten ist, hat man bei seinen Reviergängen und Ansitzen oft die Möglichkeit sich diese Rehböcke zu merken, Besonderheiten zu skizzieren oder wem es geling zu fotografieren, um am 1. Mai gezielt auf diese Böcke zu jagen.

Etwas leichter ist in diesem Monat die Jagd auf Jährling und Schmalreh. Denn die Ricke schlägt allmählich Ihre Kitze vom letzten Jahr ab, um sich auf den neuen Nachwuchs zu konzentrieren. Sie ist deutlich stärker im Wildbret und man kann gerade von hinten oft an der ausgeprägten Dünnung die Tracht erkennen. Je nachregionalen Bedingungen sollte der Jährling ein Sechsergehörn besitzen, mindestens aber Gabler sein. Man erkennt Ihn an, wie es so schön heißt, seinem jugendlichen Aussehen. Ein zierlicher Körperbau mit schmalem Träger und neugierigen Verhaltensweisen. Diese Anzeichen lassen uns junges Wild erkennen. Dies gilt natürlich auch für andere Wildarten, wie beispielsweise Rot- und Damwild. Der Jährling ist schon früh verfärbt und trägt seine strahlend rote Sommerdecke. Ebenso das Schmalreh. Die hohen Rosenstöcke sind gut zu erkennen. Erst mit den Jahren werden Sie optisch kürzer und die Rosen stärker. Die Masse der Stangen verlagert sich mit zunehmendem Alter nach unten.

Gerade im Juli/August während der Blattzeit ist es Wichtig beim Rehbock das gesamte Stück zu betrachten. Starker Körperbau, kräftiger Träger, geperlte Stangen mit kräftigen Rosen und der Masse unten. Das Verhalten gerade bei der Blattjagd ist bei einem alten Böck eher verhalten. Er beobachtet sein Territorium und schleicht sich vorsichtig heran, um einen eventuellen Nebenbuhler aus der Deckung zu überraschen und zu vertreiben. Dies kann teilweise bis zu einer Stunde und länger dauern. Rehböcke die sehr schnell auf das Blatten zustehen sind in der Regel Jährlinge und junge Draufgänger, die durch Ihren Übermut getrieben werden. Geduld zahlt sich bei der Blattjagd auf den reifen Bock oft aus.

Anspruchsvoller wird es zur Wintersaison. Da das Rehwild sein Gehörn zwischen Oktober und Dezember abwirft und in dieser Zeit ohne Kopfschmuck unterwegs ist, sieht es dem weiblichen Wild auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Klare Unterscheidungsmerkmale in dieser Zeit ist das deutlich zu erkennende Fellbüschel am Spiegelder Ricken. Ricke mit sichtbarer SpinneDie sogenannte Schürze. Hierdurch erscheint der Spiegel die Form eines Herzen zu besitzen. Beim Bock fehlt die Schürze. Der Spiegel erinnert eher an die Form einer Bohne oder Niere. Deutlich erkennt man auch den Pinsel unter dem Bauch. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter im Winter ist das Nässen. Hierbei hockt sich die Ricke hin. Der Bock bleibt stehen.

Ich rate jedem Jungjäger seine Fertigkeiten beim Ansprechen durch ständiges Beobachten zu üben, sich weiter zu entwickeln und sich auch am Stadium des Zahnwechsels am erlegten Stück selbst zu überprüfen wie alt ein Stück doch tatsächlich ist. Gerade bei weiblichen Stücken kommt man oft zu überraschenden Erkenntnissen.