Rotwild - Kolbenhirsche, Feisthirsche, Brunfthirsche

Kolbenhirsch, Feisthirsch, Brunfthirsch

Die bei uns heimischen Echten Hirscharten (Rot-, Dam- und Sikawild) folgen einem alljährlichen Zyklus. Was für das eine Revier die Brunft als Höhepunkt des Jagdjahres ist, ist in den benachbarten Revieren schon einige Wochen zuvor die Feistzeit.

Am 1. August ist es wieder so weit. Die Jagdzeit auf den König der deutschen Wälder, den Rothirsch beginnt. So manches Revier freut sich schon dem reifen Feisthirsch nachzustellen.

Das Geweihwachstum, welches mit dem Abwerfen der Geweihstangen des letzten Jahres Ende Februar Anfang März begonnen hat ist beendet. FeisthirschDie Knochensubstanz ist ausgehärtet und die schützende Bastschicht wird nicht mehr benötigt. Die Zeit der Kolbenhirsche, so werden die Hirsche während dieser Zeit genannt, nähert sich dem Ende. Mit dem Verfegen des Geweihs, so nennt man dies in der Jägersprache, wird aus dem Kolbenhirsch der Feisthirsch. Schon immer werden die Rotwildreviere in Feist- und Brunftrevier unterschieden. In großen Jagdrevieren kommt oft beides vor. Denn während der Sommermonate leben die Hirsche getrennt von den Kahlwildrudeln. Erst vor der Brunft im September beginnen die Hirsche Anfang August ihre Feisteinstände zu verlassen und ziehen in Ihre Brunfteinstände zum Kahlwild. Viele Reviere am Rande der Brunfteinstände warten auf diesen Moment. Ein jeder hat so seine eigene Meinung und Erfahrung, wann die beste Zeit ist. Während der Feistzeit fressen sich die Hirsche ein ordentliches Polster, den sogenannten Feist an, um in den stressigen Brunfttagen rund um die Uhr in der Lage zu sein, ihr erobertes Rudel zusammen halten und vor Rivalen schützen zu können.

Die Jagd auf den Feisthirsch ist dahin gehend interessant, dass ich die Hirsche solange sie zusammen stehen miteinander vergleichen kann und den wirklich alten Recken besser wieder erkenne. Dies fällt später in der Brunft, wenn die Hirsche meist allein im Kahlwildrudel stehen deutlich schwerer. Aber oft ist Eile geboten. Denn der Beginn der Jagdzeit (1.8.) überschneidet sich oft mit den Ernteterminen. Sollte das Getreide schon geerntet sein, ziehen die Hirsche oft schon vor der Jagdzeit weiter.

brunfthirschDie Jagd auf den Feisthirsch soll keines Wegs dazu animieren nach dem Motto: „wenn ich ihn nicht schieße, schießt Ihn der Nachbar“ zu jagen. Mehr soll es eine jagdliche Strategie sein, um auch Randrevieren die Chance auf Ihren kapitalen Einser einzuräumen. Denn Jagd funktioniert auch bei der Rotwildjagd nur gemeinsam. Denn ohne einen vernünftigen, sozialen Altersklassenaufbau werden wir langfristig alle lange nach einem alten, reifen Hirsch suchen müssen.

Ich wünsche allen hirschgerechten Jägern viel Waidmannsheil!